Ich bin so arm, der Zeigefinger und schuld sind grundsätzlich die anderen

Bei Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen an unterschiedlichen Orten habe ich eine Verhaltensweise entdeckt, die sehr verbindend ist: es wird über andere geredet, auf andere wird gezeigt und schuld sind grundsätzlich immer die anderen.

 

So kommt es mir auch vor, wenn ich beruflich unterschiedliche Begegnungen mit Menschen habe, die mich dafür verantwortlich machen, dass die Preise in der Landwirtschaft so schlecht sind, der Diesel soviel kostet, sie so wenig Einkommen haben, sie die Ausgenutzen eines Systems sind, das ich vertrete und die Sozialversicherung bezahlen müssen in zwei unterschiedliche Sozialversicherungskassen ... und warum wir überhaupt eine Mehrwertssteuer bezahlen und dass sie nicht verstehen, warum sie überhaupt irgendetwas bezahlen sollen, das sie dann nicht direkt in Händen halten können. Denn es sollte so sein ... blabla .... und außerdem sollte der Staat mehr Sozialleistungen abgeben, die Leute mit 40 in Pension schicken (aber nicht den Nachbarn, weil der eh Beamter ist), Rezeptgebührenbefreiung und Telefon- und Rundfunkgebührenbefreiung sollten sowieso gegeben sein ....

 

Alles in allem: Ich bin arm, alle anderen sind schuld an allem ... und es gibt immer tausend Gründe, warum.

 

Ich nehm's locker. Denn mir ist klar: Ich bin VERantwortlich, weil ich Teil des Ganzen bin, weil ich mich persönlich nicht aus der Affäre ziehen möchte, und meine Gesprächspartner alle mit im selben Boot namens Republik Österreich sitzen.

 

Mancher Herr und manche Frau Österreicher haben schon ein Problem, und das ist ihr Zeigefinger, der Finger, der ständig auf andere zeigt, der ständig auf das hinweist was nicht gut läuft, der ständig am zeigen ist, wie es für einen selber besser sein könnte ...

 

Mancher Herr und manche Frau Österreicher bringen ein Verständnis von Schuld an den Tag, bei dem man meinen könnte, es sei wirklich alles schlecht, außer bei Frau und Herrn Beschuldiger nicht. Aber, irgendwo stimmt es: wenn man nur vom Schlechten redet, wird alles schlecht. Sogar selbst wird einem schlecht. Sie meinen die Politiker und Banken sind korrupt, verurteilen sie profihaft und selbst wird jede Chance genutzt, vorbei am Finanzamt Geld zu verdienen, die Mehrwertssteuer zu sparen und der Sozialversicherung Beiträge vorzuenthalten. Wer ist hier korrupt? Der große Mann oder der kleine Mann - oder doch viele Männer und Frauen? Ein Volk, das selbst korrupt ist, braucht korrupte Politiker nicht verdammen. Sie sind letztendlich ja doch nur der Spiegel des Volkes.  

 

Doch wo bleiben die Lösungen, wenn doch alle Menschen theoretische Profis sind?

 

Wo bleibt die eigene Mitverantwortung, das eigene Mittragen in einer Gesellschaft, wo wir alle Teil des Ganzen sind? Wo bleibt der Mut, selbst in irgendeiner Art und Weise in die Politik einzusteigen und Verantwortung zu übernehmen?

Mich wundert nicht mehr, dass die Politik dort und da korrupt ist, Freunderlwirtschaft herrscht und das Parteibuch noch immer einen großen Stellenwert einnimmt.

 

Mich wundert es nicht, dass Wurzeln der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus, des Antisemitismus noch immer da sind, mich wundert es nicht. Solange Menschen daran glauben, dass immer die anderen Schuld sind, weil sie selbst nie gelernt haben, Verantwortung zu übernehmen, solange Menschen sich in andere nicht einfühlen können oder wollen, weil sie nur an ihr eigenes beschränktes Wohlbefinden denken, solange Menschen den Zeigefinger heben, anstatt die vebindende Hand zu reichen, wird sich daran nicht viel ändern können.

 

Mich stimmt es traurig, dass es sich viele Menschen leicht machen und andere verurteilen, anstatt sie aufzurichten, miteinander anzupacken und unser Land so zu verändern, dass es nicht nur so schön und reich bleibt wie es ist, sondern dass die Lebensumstände für alle fruchtbar werden. Für Alte wie für Junge, für Kranke wie für Gesunde, für Menschen mit und ohne Handykaps, für Inländer wie für Ausländer, für Arme wie für Reiche. Für jeden.

 

Ich träume davon ... und ich weiß, dass mein Traum wahr wird, denn die Veränderung beginnt bei mir. Ich übernehme VERANTWORTUNG für meinen Bereich, für mein Leben, meine Familie, meine Arbeit, meinen Dienst.

 

Und wie steht es mit dir?